Weihnachtskrippe in St. Stephan Karlsruhe 2015 von Rudi Bannwarth

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Das Leben ist eine Baustelle –

Gott wird Mensch in der Baustelle unseres Lebens

 

Die bildliche Darstellung der Menschwerdung Gottes ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil des Weihnachtsfestes. Jede Stilepoche entwickelte dabei ihre ganz eigene Formensprache in der sich auch regionale Einflüsse wiederspiegelten.

 

Erinnert sei dabei an die prächtigen neapolitanischen Krippen mit ihren opulenten Marktszenen, ausdruckstark auch die farbenfrohen Szopkas aus Polen oder die aus Ton gefertigten Santons aus Südfrankreich.

 

Eines haben alle Krippendarstellungen gemeinsam: Sie wollen die Fantasie der Betrachter anregen, sich mit den Geschehnissen vor 2000 Jahren in Bethlehem auseinanderzusetzen.

 

Wie könnte eine Zuflucht, eine Krippe im Hier und Jetzt mitten in Karlsruhe aussehen? Eine Stadt im Umbruch, voll mit Baustellen. Eine Stadt, die mit den üblichen Nebenwirkungen wie Lärm, Schmutz, Umleitungen bis hin zum Verkehrschaos zu kämpfen hat.

Hinzu kommen in unserer Region – ganz aktuell – politische Verwerfungen in der Welt zum Tragen, die dazu führen, dass die Stadt gefordert ist Menschen auf der Flucht Obdach und Heimat zu geben.

 

Die christliche Botschaft die Hoffnung gibt, bleibt auch nach 2000 Jahren die gleiche: Ein Kind wurde geboren, um den Menschen Zuversicht und Geborgenheit in den Baustellen ihres Lebens zu geben.

 

Aus Hirten werden Flüchtlinge, aus Maria und Josef ein Paar, das um seine Existenz kämpft.

 

Ein Bildhauer sieht in der Kunst die Aufgabe, Trampelpfade zu verlassen und Geschichten wie die des Lukasevangeliums immer wieder neu zu interpretieren und in ein aktuelles Bild zu setzen.

 

Die Ruhe und die sakrale Atmosphäre, die von St. Stephan ausgehen, korrespondieren hervorragend mit der Baustellenkrippe und ergeben eine Einheit.

 

In diesem Umfeld ist es ein Genuss dem Baustellenchaos, gepaart mit vorweihnachtlichem Trubel, in der City für einen Moment zu entfliehen, um Architektur, Kunst und Stille auf sich wirken zu lassen.